Twitter X Universitäten Forscher Boykott

Volksverhetzung und Wahlmanipulation: Forscher rufen zu Twitter-Boykott auf

Maria Gramsch
unsplash.com/ Kelly Sikkema

Seit der Übernahme durch Elon Musk hat das Ansehen von X (ehemals Twitter) stark gelitten. Ein Bündnis von Forschern fordert Hochschulen in Deutschland nun zu einem Twitter-Boykott auf.

Das soziale Netzwerk Twitter, das inzwischen X heißt, hat nach der Übernahme durch Elon Musk enorm an Ansehen verloren. Das „Aktionsbündnis neue soziale Medien“ aus Berlin geht nun sogar so weit, deutsche Hochschulen zu einem Twitter-Boykott aufzurufen.

Grund sei die „dort betriebene Desinformation und politische Hetze“. Diese werde dem Aufklärungsanspruch der Hochschulen nicht gerecht.

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Forscher fordern Twitter-Boykott von Hochschulen

Hochschulen in Deutschland sollten laut der Petition des Bündnisses ihre Accounts bei X „baldmöglichst“ stilllegen. Für den Fortbestand der Wissenschaftskommunikation schlägt das Bündnis unter anderem Präsenzen bei der Twitter-Alternative Mastodon vor.

Auch könnten Präsenzen auf anderen Servern im Fediverse aufgebaut werden. Diese seien „dezentrale und moderierte Gestaltung viel eher mit den Regeln eines demokratischen und nachhaltigen Miteinanders vereinbar“.

Fediverse-Dienste bieten weit mehr als nur einen Werbekanal: über eigene Instanzen werden interaktive Räume gestaltet, in denen Wissenschaft nicht nur berichtet, sondern diskutiert und weiterentwickelt wird.

So könnten die Hochschulen in Deutschland Alternativen schaffen. Dies sei vor allem auch wichtig für all jene, „die die undemokratischen, unfairen und unnachhhaltig agierenden Plattformen nicht nutzen möchten“.

Bündnis kritisiert unkritischen Umgang mit Plattformen

Das Bündnis sieht vor allem den unkritischen Umgang deutscher Hochschulen mit Plattformen wie X, Instagram und TikTok als Problem an. Die aktuelle Situation biete daher eine gute Gelegenheiten, das bisherige Vorgehen in der Hochschulkommunikation zu hinterfragen.

Mit der Unterstützung beim Ausbau von Fediverse-Diensten wie Mastodon können die Hochschulen einen wichtigen Beitrag zur Stärkung unserer Demokratie und zur nachhaltigen Entwicklung von Wissenschaft und Gesellschaft leisten.

Die Unterzeichner:innen der Petition sehen Social-Media-Plattformen und die Art und Weise wie sie betrieben werden als „ernste Gefährdung unseres demokratischen Gemeinwesens“. Die Petition soll deshalb als Anstoß dienen, die bisherige Handhabung dieser Plattformen zu hinterfragen.

Bündnis fordert Twitter-Boykott trotz großer Bedeutung für Hochschulen

Das Bündnis räumt in seiner Petition die enorme Bedeutung der sozialen Netzwerke für die Hochschulkommunikation ein. Dennoch seien die negativen Nebenwirkungen dieser Plattformen inzwischen nicht mehr vernachlässigbar.

Die Forschenden sehen hier unter anderem die psychologischen Beeinträchtigungen durch die immer weiter zunehmende Nutzung sozialer Netzwerke als problematisch an. Auch sei der große Umfang, in dem „persönliche Daten abgegriffen“ werden, kritisch zu betrachten.

Desinformation und Hassrede, Cybermobbing und Diskriminierung sind nach wie vor bestimmende Elemente auf den sich selbst als sozial bezeichnenden Medien.

Die sozialen Medien würden laut der Petitionsschrift gesellschaftlich schädliche Entwicklungen fördern. Für Hochschulen, die „historisch als Orte der Aufklärung, Erkenntnis und Demokratisierung von Wissen entstanden“ sind, könnten das „nicht ernstlich wollen“.

Die Gelder, die die Hochschulen für Personalstellen aufwenden, „um auf den kommerziellen Plattformen präsent zu sein“, wären an anderer Stelle dringender nötig. So zum Beispiel in Sachen Digitalisierung für moderne Hard- und Software, Open-Science-Modelle oder den Schutz der Systeme vor Hackerangriffen.

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Maria ist freie Journalistin und technische Mitarbeiterin an der Universität Leipzig. Seit 2021 arbeitet sie als freie Autorin für BASIC thinking. Maria lebt und paddelt in Leipzig und arbeitet hier unter anderem für die Leipziger Produktionsfirma schmidtFilm. Sie hat einen Bachelor in BWL von der DHBW Karlsruhe und einen Master in Journalistik von der Universität Leipzig.