Das deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum hat ein System namens Ranging Mode (R-Mode) entwickelt, das eine Navigation ohne GPS ermöglicht. Aufgrund steigender Risiken sollen Schiffe über Funkstationen statt Satelliten navigiert werden.
Die moderne Schiff- und Luftfahrt ist stark von Satellitennavigationssystemen wie GPS oder Galileo abhängig. Doch was passiert, wenn diese Systeme ausfallen oder gestört werden? Besonders in der Ostsee kommt es immer häufiger zu Signalstörungen, die die Navigation ohne GPS erschweren oder sogar gefährlich machen.
Eine Lösung für dieses Problem stellt das R-Mode-Navigationssystem dar. Dabei handelt es sich um eine terrestrische Alternative, die unabhängig von Satelliten funktioniert. R-Mode steht für Ranging Mode und nutzt bestehende Funkstationen im Mittelwellen- (MW) und Ultrakurzwellenbereich (UKW).
R-Mode: Sichere Navigation ohne GPS
Die Funkstationen senden Signale aus, die Empfänger auf den Schiffen auffangen. Durch die Messung der Signalzeiten kann ein Algorithmus die Position des Schiffs genau bestimmen. Eine Navigation ohne GPS ist dadurch problemlos möglich.
Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt das System zusammen mit EU-Partnern aus Wissenschaft, Industrie und Behörden. Seit 2017 wird ein Testfeld zwischen Helgoland und Stockholm aufgebaut, das mittlerweile acht Sendestationen umfasst.
Der Hintergrund: Immer häufiger stören böse Akteure gezielt GPS-Signale – sei es durch Cyberangriffe oder politische Spannungen. Besonders in der Ostsee, wo sich viele Schifffahrtsrouten kreuzen, stellen navigationsbedingte Unfälle eine große Gefahr dar. Eine Navigation ohne GPS scheint daher essenziell, um die Sicherheit auf See zu gewährleisten.
Ein weiterer Vorteil des R-Mode: Das System nutzt bereits existierende Funkinfrastrukturen. Dadurch stellt es eine kostengünstige Lösung dar, um die maritime Navigation sicherer zu machen und eine zuverlässige Alternative zu bieten.
Ausbau der Navigation ohne Satelliten
Seit 2023 wird das R-Mode-Netzwerk im Rahmen des Projekts ORMOBASS ausgebaut. Das Testfeld erstreckt sich mittlerweile auch auf Schweden, Finnland und Estland – und damit Länder, in denen GPS-Störungen besonders häufig vorkommen.
Um das System flächendeckend nutzbar zu machen, ist eine Standardisierung notwendig. Das DLR arbeitet mit der International Organization for Marine Aids to Navigation (IALA) zusammen, um weltweit einheitliche R-Mode-Signale zu etablieren. Ab 2026 sollen standardisierte Ranging Modes im Ostseeraum verfügbar sein, damit die Navigation ohne Satelliten zuverlässig funktioniert.
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„Aufgrund steigender Risiken sollen Schiffe mit Funkwellen statt Satelliten navigiert werden.“
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